Hinter verrosteten Toren, eingeschlagenen Fenstern und bröckelnden Fassaden verbirgt sich eine Welt, die die meisten Menschen lieber ignorieren. Doch für eine wachsende Gemeinschaft von Abenteurern sind genau diese Orte das Ziel ihrer Begierde. Sie nennen sich Urbexer.

Der Begriff "Urbexer" leitet sich von Urban Exploration (kurz: Urbex) ab, was so viel bedeutet wie die Erkundung des städtischen Raums. Doch es geht nicht um einen gewöhnlichen Stadtspaziergang. Ein Urbexer ist jemand, der gezielt verlassene Orte aufsucht – sogenannte "Lost Places".

Die Faszination des Verfalls

Warum zieht es jemanden in marode Fabrikhallen, stillgelegte Sanatorien oder verwaiste Wohnhäuser? Für einen Urbexer ist es die Suche nach der Geschichte, die diese Mauern atmen. Es ist die Konservierung eines Augenblicks, bevor die Natur sich das Gelände endgültig zurückholt oder die Abrissbirne Tatsachen schafft.

Urbexer sind oft Fotografen, Historiker im Kleinen oder einfach nur Abenteurer, die den Nervenkitzel des Unbekannten suchen. Sie dokumentieren den Verfall und halten die Schönheit der Vergänglichkeit in Bildern fest. Dabei geht es nicht um Vandalismus, sondern um eine stille Beobachtung.

Mehr als nur ein Hobby: Eine Lebenseinstellung

Echte Urbexer distanzieren sich klar von Randalierern oder Sprayern. Urban Exploration ist eine Form der modernen Schatzsuche, bei der der "Schatz" lediglich aus einem guten Foto und dem Erlebnis besteht. Um die Integrität dieser Orte zu bewahren und sich selbst zu schützen, folgt die Community einem strengen, ungeschriebenen Gesetz.

Der Urbexer Codex

Wer sich in die Welt der verlassenen Orte begibt, sollte die Regeln kennen. Diese Gebote dienen dem Schutz der Gebäude, der Community und der eigenen Sicherheit.


Die Regel:

Beschreibung:

Hinterlasse nichts außer Fußabdrücken


Müll, Markierungen oder Graffiti sind tabu. Der Ort soll so bleiben, wie du ihn vorgefunden hast.


Nimm nichts mit außer Fotos


Souvenirs aus Lost Places zu stehlen, ist Diebstahl und zerstört die Authentizität für nachfolgende Erkunder.


Verrate keine Standorte


Um Orte vor Vandalismus und Tourismus-Massen zu schützen, werden Koordinaten niemals öffentlich geteilt.


Kein gewaltsames Eindringen


"Forced Entry" ist ein No-Go. Wenn alles verschlossen ist, bleibt man draußen. Wir brechen nichts auf.


Sicherheit zuerst


Betritt niemals marode Gebäude allein und achte auf die Statik. Kein Foto ist dein Leben wert.



Ein Urbexer zu sein bedeutet, ein stiller Zeuge der Zeit zu sein. Wer die Stille eines verlassenen Ballsaals einmal erlebt hat, versteht, dass Urban Exploration viel mehr ist als nur das Betreten alter Ruinen – es ist eine respektvolle Verbeugung vor der Vergangenheit.

Unbedingt beachten:

  • Zieht Euch richtig an. Festes Schuhwerk, langärmlige Sachen, auch wenn es warm ist, und Handschuhe.

  • Tragt alles was ihr mitnehmen wollt in einem Rucksack, damit ihr, wenn es darauf ankommt, beide Hände frei habt.

  • Kameraausrüstung mitnehmen, so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Eine Taschenlampe, damit ihr genug Licht machen könnt, wenn ihr in dunklen Räumen oder Kellern seid. Ein Taschenmesser für den Fall der Fälle. (je nach Land kann das auch verboten sein)

  • Ein voll aufgeladenes Handy für Notfälle. 

  • Außreichend Wasser und der eine oder andere Schokoriegel ist immer pflicht.

Was ihr nicht dabei haben solltet:

  • Jegliches Werkzeug, was zum Einbruch dient. So was nutzen wir einfach nicht. Ist die Hütte zu, bleibt sie das auch.

Wie verhalte ich mich, wenn ich erwischt werde?

  • Es kann immer jemanden geben, der Euch verpetzt. Sollte doch mal die Polizei oder das Ordnungsamt vor der Tür stehen, bleibt freundlich und werdet nicht aggressiv. Erklärt sachlich, was ihr in dem Objekt tut, und was ihr vor allem nicht tut. (Verhaltenskodex)

  • Beantwortet die Fragen höflich und ehrlich, dann werdet ihr in den meisten Fällen einfach nur gebeten, zu gehen. Was ihr dann natürlich auch ohne weiteres tut.

Mit diesen grundlegenden Tipps kann es eigentlich dann auch schon losgehen. Benutzt euren logischen Menschenverstand, wenn ihr so etwas macht. Wer sich benimmt wie ein Idiot, der wird in der Regel auch so behandelt. Wir wollen diese Orte besuchen und fotografieren, um den Reiz solcher Hinterlassenschaften zu dokumentieren. Nicht mehr und nicht weniger. 

Viel Erfolg und vor allem Spaß. Passt bitte auf Euch auf 👍